ASR A3.7 Lärm: Was die Arbeitsstättenregel für Büro und KiTa verlangt
Kurz gesagt: Die ASR A3.7 „Lärm“ (Ausgabe März 2021) verlangt für konzentrierte Arbeit höchstens 55 dB(A) Beurteilungspegel, für normale Bürotätigkeit höchstens 70 dB(A). Für die Raumakustik nennt sie Nachhallzeiten im unbesetzten Raum von 0,5 s (Callcenter), 0,6 s (Mehrpersonen- und Großraumbüro) und 0,8 s (Ein- und Zweipersonenbüro), jeweils in den Oktaven 250 bis 2000 Hz. Für KiTa, Schule und Hochschule gilt eine Formel aus dem Raumvolumen, die für einen Gruppenraum mit 210 m³ etwa 0,6 s ergibt. Wer die Werte einhalten will, braucht Absorption an Decke und Wänden; wie viel, rechnet der Akustikrechner.
Wofür die ASR A3.7 gilt und warum sie dich betrifft
Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) sagt nur, dass der Schalldruckpegel in Arbeitsstätten „so niedrig zu halten ist, wie es nach der Art des Betriebes möglich ist“. Was das konkret heißt, steht in der Technischen Regel ASR A3.7 „Lärm“, herausgegeben vom Ausschuss für Arbeitsstätten bei der BAuA. Hältst du die ASR ein, gilt die Verordnung als erfüllt (Vermutungswirkung). Weichst du ab, musst du nachweisen, dass deine Lösung gleichwertig ist. Deshalb ist die ASR in der Praxis der Maßstab, an dem Berufsgenossenschaft, Fachkraft für Arbeitssicherheit und Betriebsrat eine Raumakustik messen.
Wichtig: Es geht hier nicht um Gehörschutz ab 80 dB(A), das regelt die LärmVibrationsArbSchV. Die ASR A3.7 behandelt den Bereich darunter, in dem Lärm nicht das Ohr schädigt, aber Konzentration, Sprachverständlichkeit und Gesundheit belastet. Das ist genau der Bereich von Büro, Praxis, Kanzlei, KiTa und Schule.
Die drei Tätigkeitskategorien und ihre Grenzwerte
Die Regel teilt Tätigkeiten nach dem Maß an Konzentration und Sprachverständlichkeit ein, das sie erfordern. Der Beurteilungspegel ist dabei der über die Arbeitsschicht gemittelte A-bewertete Pegel am Arbeitsplatz (Abschnitt 5.1).
| Kategorie | Typische Tätigkeiten (Beispiele aus der ASR) | Höchstwert |
|---|---|---|
| I hohe Konzentration oder hohe Sprachverständlichkeit | Besprechungen in Konferenzräumen, wissenschaftliches und kreatives Arbeiten, Software entwickeln, Vorlesungen und Seminare, ärztliche Untersuchungen und Behandlungen, Übersetzen und Redigieren schwieriger Texte | 55 dB(A) |
| II mittlere Konzentration oder mittlere Sprachverständlichkeit | Allgemeine Bürotätigkeit: Sachbearbeitung, Daten erfassen, Texte verarbeiten, Disponieren, Verkaufen und Kundenbedienung, Arbeiten in Betriebsbüros und Laboren, Messwarten | 70 dB(A) |
| III geringere Konzentration | Montage, handwerkliche Fertigung, Lager, Reinigung, Bedienen von Bearbeitungsmaschinen | so niedrig wie möglich, kein fester Wert |
Ein Detail, das oft übersehen wird: Für Tätigkeiten mit überwiegend sprachabhängigen Aufgaben (Texte verfassen, Übersetzen, komplexe Beratung im Callcenter) sollen Arbeitsplätze ohne Belastung durch Hintergrundsprache zur Verfügung stehen, und das Einspielen von Rauschen als Maskierer soll vermieden werden (5.1 Absatz 4). Ein Großraumbüro, in dem man die Gespräche der Nachbarn mithört, erfüllt das nicht, egal wie der Pegel gemittelt aussieht.
Nachhallzeiten für Büros: 0,5 / 0,6 / 0,8 Sekunden
Abschnitt 5.2.1 nennt für Büroräume Nachhallzeiten, die im unbesetzten, aber möblierten Raum in den Oktavbändern 250 Hz bis 2000 Hz nicht überschritten werden sollen:
| Raumart | Nachhallzeit T höchstens |
|---|---|
| Callcenter (Büro für kommunikationsbasierte Dienstleistungen) | 0,5 s |
| Mehrpersonen- und Großraumbüro | 0,6 s |
| Ein- und Zweipersonenbüro | 0,8 s |
Zur Einordnung: Ein leeres Büro mit Glas, Beton und Laminat liegt typisch bei 1,2 bis 2 Sekunden. Möbel, Teppich und Menschen bringen etwas, aber selten unter 0,8 s. Die Differenz muss Absorption liefern.
Die Abkürzung über den mittleren Schallabsorptionsgrad
Statt die Nachhallzeit zu messen, erlaubt Anhang 2 der ASR einen rechnerischen Nachweis über den mittleren Schallabsorptionsgrad ᾱ des Raums. Die Nachhallzeiten aus 5.2.1 gelten bei den üblichen Raumhöhen nach ASR A1.2 als eingehalten, wenn ᾱ die Werte aus Tabelle 3 erreicht:
| Grundfläche | 1- bis 2-Personenbüro | Mehrpersonen-/Großraumbüro | Callcenter |
|---|---|---|---|
| bis 20 m² | ᾱ = 0,15 | ᾱ = 0,2 | |
| 20 bis 50 m² | ᾱ = 0,2 | ᾱ = 0,25 | |
| 50 bis 200 m² | ᾱ = 0,3 | ᾱ = 0,35 | |
| 200 bis 1000 m² | ᾱ = 0,35 | ᾱ = 0,4 |
ᾱ ist die gesamte äquivalente Absorptionsfläche A geteilt durch die Summe aller Raumbegrenzungsflächen S (Boden, Decke, vier Wände). Die Nachhallzeit folgt dann aus der Sabine-Formel T ≈ 0,163 · V / (ᾱ · S), die die ASR selbst in Anhang 2 nennt. Für alle sonstigen Arbeitsräume mit Sprachkommunikation, die nicht Büro oder Bildungsstätte sind (Werkstattbüro, Empfang, Kantine), verlangt Abschnitt 5.2.3 pauschal ᾱ = 0,3 im eingerichteten Raum.
Rechenbeispiel: Zweierbüro mit 20 m²
Raum 5 × 4 m, 2,7 m hoch. Raumvolumen V = 54 m³, Begrenzungsflächen S = 2 · 20 m² + 2 · (5 + 4) · 2,7 m = 88,6 m². Ziel nach Tabelle 3: ᾱ = 0,15, also A = 0,15 · 88,6 m² = 13,3 m² äquivalente Absorptionsfläche. Ein leeres Büro mit Gipskartonwänden, Teppichboden und zwei Schreibtischen bringt davon etwa 5 bis 7 m² mit (Teppich, Polsterstühle, Menschen, Möbel). Fehlen also 6 bis 8 m², die als Absorber an Decke und Wand dazukommen müssen.
Womit man das erreicht: Ein frei hängendes Deckensegel 100 × 60 cm aus PET-Akustikvlies wirkt beidseitig und bringt rund 1 m² äquivalente Absorptionsfläche, ein Wandpaneel 100 × 60 cm etwa 0,5 m², eine Basotect-Platte 100 × 50 × 5 cm etwa 0,45 m². Für das Beispielbüro reichen demnach vier Deckensegel über den Arbeitsplätzen und vier große Wandpaneele an den Reflexionsflächen, zusammen rund 6 m². Das entspricht ziemlich genau unserem Raum-Set Büro M, die kleinere Variante Büro S ist der Einstieg für Einzelbüros.
KiTa, Schule, Hochschule: die Formel aus dem Raumvolumen
Für Bildungsstätten gibt Abschnitt 5.2.2 keinen festen Wert, sondern eine Formel für den besetzten Raum bei „Unterricht ohne Bedürfnis nach erhöhter Sprachverständlichkeit“:
Tsoll = (0,32 · lg V/m³ − 0,17) s, mit ±20 % Toleranz je Oktavband von 250 bis 2000 Hz.
Für einen Gruppenraum mit 210 m³ (etwa 70 m² bei 3 m Höhe) ergibt das rund 0,6 s. Nach Anhang 2 ist das im unbesetzten Raum erreicht, wenn ᾱ mindestens 0,25 beträgt. Bei erhöhten Anforderungen (Kinder mit Hörminderung, Sprachförderung, Fremdsprachenunterricht, inklusive Einrichtungen nach Behindertengleichstellungsgesetz) soll die Nachhallzeit weiter sinken; DIN 18041 nennt dafür die Kategorie „inklusiv“ mit etwa 20 % kürzerer Zeit.
In der Praxis heißt das für einen KiTa-Gruppenraum: Deckensegel in zwei Reihen unter der Decke plus Wandpaneele oberhalb der Kinderhöhe, in PET-Akustikvlies, weil das Stöße aushält und schwer entflammbar ist (B-s1, d0). Unser Raum-Set KiTa S ist auf Nebenräume bis 25 m² geschnitten; für Träger und Einrichtungen gibt es die Akustik-Anfrage mit Angebot auf Rechnung; für einen Gruppenraum mit 50 bis 70 m² brauchst du etwa das Zwei- bis Dreifache, der Akustikrechner rechnet das mit der Branche „KiTa“ auf den Raum genau.
Hintergrundgeräusche: die zweite Stellschraube
Abschnitt 6 nennt empfohlene Höchstwerte für Hintergrundgeräusche (Lüftung, Geräte, Außenlärm), weil ein leiser Grundpegel das Einhalten der Beurteilungspegel deutlich erleichtert: 35 dB(A) für Konferenz-, Klassen- und Gruppenräume sowie KiTas, 40 dB(A) für Zweipersonenbüros, 45 dB(A) für Großraumbüros. Absorber senken diesen Grundpegel nicht direkt, aber sie verhindern, dass er sich im Raum aufschaukelt, und sie machen Sprache über kurze Distanz verständlicher, sodass alle leiser reden.
Wann die ASR greift
- Neu einrichten, wesentlich umbauen, Arbeitsabläufe wesentlich ändern: Dann sind Beurteilungspegel und Raumakustik nach Abschnitt 5 bereits in der Planung einzuhalten (Abschnitt 6).
- Bestehende Arbeitsstätten: Halligkeit, schlechte Sprachverständlichkeit oder Beschwerden der Beschäftigten sind laut Abschnitt 7 ein Hinweis auf unzureichende Raumakustik und lösen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung weitere Ermittlungen aus. Ist die Nachrüstung offensichtlich unverhältnismäßig teuer, sind gleichwertige andere Maßnahmen zulässig, aber Gehörschutz darf keine Dauerlösung sein.
- Wer prüft: Fachkraft für Arbeitssicherheit und Betriebsarzt bei der Gefährdungsbeurteilung, Unfallversicherungsträger und Arbeitsschutzbehörde bei Begehungen. Betriebsräte haben ein Mitbestimmungsrecht bei Maßnahmen zum Gesundheitsschutz.
Was die ASR nicht regelt
Sie sagt nichts über Schall, der von außen oder aus dem Nachbarraum kommt; das ist Bauakustik (DIN 4109) und wird mit Masse und Entkopplung gelöst, nicht mit Absorbern. Der Unterschied steht auf Schallabsorber oder Schalldämmung. Und sie ersetzt keine Messung: Die Tabellenwerte sind Planungsgrößen für übliche Raumformen (längste Seite höchstens das Fünffache der kürzesten); bei langen Fluren, sehr hohen Räumen oder Räumen mit vielen Glasflächen sollte am Ende gemessen werden.
Absorber, die die ASR-Werte erreichen
beidseitig wirksam, ca. 1 m² äquivalente Absorptionsfläche, Absorberklasse A
Wie viel brauche ich? Zum Akustikrechner
Raummaße und Nutzung eingeben, der Rechner stellt ein Set mit Stückzahlen zusammen. Mehr zur Auswahl: Deckensegel · Wandabsorber · Schallabsorber · Büro-Akustik · KiTa-Akustik. Oder anrufen: 0931 30699733.
Quelle: ASR A3.7 „Lärm“, Ausgabe März 2021, Ausschuss für Arbeitsstätten (BAuA), Abschnitte 3.16, 5.1, 5.2, 6, 7 und Anhang 2. Volltext bei der BAuA. Die Absorptionswerte je Produkt sind Herstellerangaben und Näherungen für die Planung.
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